«Orthodoxie aktuell» über Belarus

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Minsk – Die Berichte einiger Medien, die belarussische Oppositionsführerin Svetlana Tichanovskaja habe gesagt, sie werde sich an den Ökumenischen Patriarchen wenden, um einen Tomos der Autokephalie für die Kirche von Belarus so etwa zu erbitten und somit deren Loslösung vom Moskauer Patriarchat zu erreichen, wurde von ihrem Büro zurückgewiesen. „Das ist eine Lüge“, sagte Tichanovskajas Sprecherin Anna Krasulina. Laut Krasulina habe so etwas nicht stattgefunden und konnte auch nicht stattfinden, da die Einmischung in Angelegenheiten der Kirche und der Dogmen völlig im Widerspruch zu dem stehe, wofür Tichanovskaja kämpfer, nämlich die demokratische Bewegung der Belarussen, die gegen das Lukašenko-Regime kämpfen. „Für Tichanovskaja als Anführerin der Belarussischen Demokratischen Bewegung gilt die Religions- und Meinungsfreiheit – unabhängig von Dogmen. Die Kirchen sind in diesem Zusammenhang wichtige Partner der Zivilgesellschaft, in der das Recht auf Teilnahme an öffentlichen Verfahren auf der Grundlage ihrer Lehren und Überzeugungen gewährleistet sein muss“, sagte Krasulina. „Unsere Grundsätze sprechen sich einerseits für die Unabhängigkeit der Kirche vom Staat aus und schließen andererseits sogar theoretisch jeglichen Einfluss des Staates auf die orthodoxe Kirche oder eine andere Lehre aus“, sagte Krasulina und fügte hinzu, dass Lukašenko und sein Regime mit solchen Mitteln versuchen, Zwietracht und Spaltung unter den Menschen in Belarus zu säen. „Unser gemeinsames Ziel hat nichts damit zu tun, welcher Lehre oder Kirche ein Gläubiger folgt, sondern mit der Garantie seines Rechts, dies zu tun. Mit anderen Worten, die Aufgabe des Staates ist es nicht, sich in die persönlichen Angelegenheiten der Bürger einzumischen, sondern das Recht eines jeden zu gewährleisten, zu wählen“, betonte die Sprecherin Tichanovskajas.

Quelle: Orthodoxie aktuell, 8 / 2021, S. 16-17.