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Yauheniya Danilovich: «In der Mitte des Sturmes bist Du bei uns»

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Am 19. September 2020 fand in der Kirche «Entschlafen der Gottesgebärerin» in Köln das ökumenische Gebet für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit in Belarus statt. Eine der vier Predigten hielt Dr. theol. Yauheniya Danilovich (orthodoxe Kirche, Münster) zu Mk 4, 35-41.

Und am Abend desselben Tages sprach er zu ihnen: Lasst uns ans andre Ufer fahren. 36 Und sie ließen das Volk gehen und nahmen ihn mit, wie er im Boot war, und es waren noch andere Boote bei ihm. 37 Und es erhob sich ein großer Windwirbel, und die Wellen schlugen in das Boot, sodass das Boot schon voll wurde. 38 Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen. Und sie weckten ihn auf und sprachen zu ihm: Meister, fragst du nichts danach, dass wir umkommen? 39 Und er stand auf und bedrohte den Wind und sprach zu dem Meer: Schweig! Verstumme! Und der Wind legte sich und es ward eine große Stille. 40 Und er sprach zu ihnen: Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben? 41 Und sie fürchteten sich sehr und sprachen untereinander: Wer ist der, dass ihm Wind und Meer gehorsam sind!

Mk 4, 35-41
Доктор теологии Евгения Данилович с постером с изображением своего преподавателя из Института теологии в Минске архиепископа Гродненского Артемия (Кищенко), Кёльн, 19 сентября 2020 года

In Belarus, in unserer Heimat, ist jetzt ein Sturm. Wellen der Gewalt machen uns Angst. Wir machen uns Sorgen um Menschen in Belarus. Wir haben Angst, dass jede weitere Welle noch stärker, noch brutaler einschlägt. Was passiert in Belarus weiter? Wir können es nicht sehen. Wir können es nicht voraussehen. Wen aus unserem Boot verlieren wir in diesem Sturm? Vielleicht verlieren wir uns selbst? Vielleicht versinkt gleich das Boot? Wellen der Gewalt machen uns wütend. Sie lassen uns auch eigene Machtlosigkeit und Verzweiflung verspüren. 

In Belarus, in unserer Heimat, ist ein Sturm. Menschen suchen nach Orientierung. Sie suchen nach Unterstützung und Hilfe. Wird die Kirche für sie ein Fluchtort sein? Finden sie in der Kirche eine Orientierung und Unterstützung? Wird die Kirche für die Menschen eine Arche sein? Oder ist sie eine Arche für die Machthaber geworden? Es ist alles ungewiss… Es ist alles in Bewegung… 

In Belarus, in unserer Heimat, ist ein Sturm. Die Kräfte und die Waffen sind ungleich. Gegen den Terror des Regimes — Humor und Kreativität. Gegen die Unterdrückung – Wille nach Freiheit. Gegen die Schlagstöcke der Polizei – Blumen. Gegen die Lüge – Durst nach Aufrichtigkeit. Gegen uniformierte maskierte Gewalt ohne Gesicht – Menschen, Personen, die wie nie zuvor solidarisch miteinander sind. 

In Belarus, in unserer Heimat, ist ein Sturm. Was bleibt uns? Abwarten? Gegen den Sturm kämpfen? Aufgeben? Hoffen, dass es bald vorbei ist?

Christus, unser Herr und Gott, mach die Menschen in Belarus, und uns, fähig, in der Mitte des Sturmes nicht aufzuhören, Deine Stimme zu vernehmen. Mach die Menschen in Belarus, und uns, fähig, nicht zu vergessen, dass unsere Waffen nicht die Stöcke und Steine sind. Wir wollen uns immer bewusst bleiben, dass in der Mitte des Sturmes Du bei uns bist und dass Dein ist die Macht.