Erzpriester Constantin Miron (ACK): Was bedeuten die Ereignisse in Belarus für die Ökumene?

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Das erste, was einem auffällt, wenn man nach Belarus reist: Es ist ein flaches Land ohne Gebirge, ein Land, das sich nicht hinter Bergen versteckt und offen ist nach allen Seiten.

Es ist ein Land, das an der Kreuzung zwischen Ost und West liegt. Seine Bewohnerinnen und Bewohner lieben ihr Land, und doch sind sie überall zuhause.

Es ist ein Land der religiösen und konfessionellen Vielfalt. Mit einer orthodoxen Mehrheit und zugleich einer Diversität verschiedener Kirchen und Religionen.

Es ist ein Land, dem vom nationalsozialistischen Deutschland unsägliches Leid zugefügt wurde, und das auch die sowjetische Diktatur überlebt hat.

Man sagt scherzhaft über Belarus, dass es das Land der Sehnsucht nach dem Meer und den Wassermelonen ist. Denn beides gibt es nicht in diesem schönen Land. Noch größer, noch intensiver, noch lebensnotwendiger ist aber die Sehnsucht nach Freiheit und Gerechtigkeit, nach einem Ende der willkürlichen Gewalt und des Machtmissbrauchs.

Es ist das Land, dem unsere Gedanken gelten, nicht erst seit dem 9. August 2020, dem Tag der gestohlenen Wahl, aber ganz besonders seitdem.

Die Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Deutschland, in der 25 Kirchen Mitglieder bzw. Gastmitglieder sind, trägt diesen Namen, weil wir, die großen und die hierzulande kleinen Kirchen gemeinsam arbeiten wollen für die Einheit der Kirche Jesu Christi, für das gemeinsame Zeugnis, für Frieden, Gerechtigkeit und die Bewahrung der Schöpfung Gottes.

Gleichzeitig stellen wir bereits jetzt eine Gemeinschaft dar: eine Gemeinschaft untereinander, aber auch über die Grenzen unseres Landes hinaus – etwa mit den Menschen in Belarus, deren adventliche Hoffnung in diesem Jahr eine ganz konkrete Erwartung des Friedensfürsten, das Kommen des Friedens in ihrem Land ist.

Die Christinnen und Christen in Deutschland feiern in diesem Jahr Weihnachten anders als sonst. Ich meine damit nicht nur die Pandemie, sondern auch, dass unser Herz wegen Belarus schwer ist. Gemeinschaft heißt mitleiden, mitbeten, mithoffen. Und Gemeinschaft heißt hinsehen, wahrnehmen, nicht den Blick abwenden. Wir schauen weiter auf Belarus, das Land, das sich nicht hinter Bergen versteckt, das Land, das offen vor uns liegt.