Belarus: „Kirchen sollten Opposition mehr helfen“

Expertinnen aus Belarus rufen die Kirchen zu einer stärkeren Unterstützung der Oppositionsbewegung in dem osteuropäischen Land auf.

Der Rückhalt für die Demonstrationen gegen Machthaber Alexander Lukaschenko aus den Kirchenleitungen sei deutlich schwächer geworden. Das sagte die orthodoxe Theologin Alena Alshanskaya am Dienstagabend bei einer Online-Veranstaltung des in Freising ansässigen katholischen Osteuropa-Hilfswerks Renovabis und der Berliner Katholischen Akademie.

Yauheniya Danilovich, ebenfalls orthodoxe Theologin, betonte zugleich, einzelne prominente Priester zeigten weiterhin etwa im Internet ihre Solidarität mit Opfern der Polizeigewalt und Oppositionellen, die vor Gericht gestellt wurden.

„Auch in den Kirchen werden die zivilgesellschaftlichen Kräfte stärker“

Gemeinsame Auftritte orthodoxer und katholischer Geistlicher mit Lukaschenko in den Medien würden von Regime-Kritikern dagegen „mit tiefer Bestürzung» aufgenommen, berichtete Alshanskaya weiter. Sie würden als Anerkennung des Machthabers interpretiert. Eine solche „Staatsnähe“ der Kirchen schade deren Glaubwürdigkeit erheblich, so die Theologin, die im Arbeitsbereich Osteuropäische Geschichte der Universität Mainz forscht.

Danilovich erklärte, auch in den Kirchen würden die zivilgesellschaftlichen Kräfte stärker. Die belarussische Bevölkerung beobachte sehr aufmerksam, wie sich die Religionsgesellschaften zur Oppositionsbewegung verhalte, sagte die Akademische Oberrätin an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster.

Neue Straftatbestände eingeführt

Nach Angaben beider Expertinnen haben sich die Massenproteste seit der umstrittenen Wiederwahl Lukaschenkos im vergangenen August zu einzelnen kleineren Demonstrationen gewandelt. Zusätzlich zur Gewalt der Sicherheitskräfte gebe es nun Gerichtsverfahren gegen die Oppositionellen, für die das Regime neue Straftatbestände eingeführt habe. Angesichts dessen sei es wichtig, dass die Europäische Union Lukaschenko nicht als legitimen Präsidenten anerkenne und eine konsequente Sanktionspolitik gegen das Regime durchhalte. Aus den Kirchen des Westens sei Solidarität etwa in Form von Lobbyarbeit und Stipendienprogrammen für Oppositionelle wichtig.

Vatican News